Das Ende eines Dornröschenschlafes
 
Das Denkmal am Kreuzberg
Während die Kreuzkapelle auf dem Hausberg von Merzig weithin ins Saartal hinab zu sehen ist, führt das Denkmal, das an den tödlich verunglückten Stifter der Kreuzbergkapelle erinnert, ein Dornröschenleben. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Auch die Servituttreppe und die Weinbergmauern versinken im Dunkel der Geschichte.
 
 
Das Denkmal - das größte seiner Art in Merzig - ist stark beschädigt. Der Heimatkundler Wilhelm Laubenthal schreibt darüber: Die Schänder des jüdischen Friedhofes der Pogrom-nacht des 9. Novembers 1938 sollen es für ein jüdisches Grab gehalten und ebenfalls zu zerstören versucht haben.Die Familie Bock, Stifter der Kreuzbergkapelle, lebte Ende 1840 in der Nicolaus Markstraße Nr. 145, gegenüber dem Pfarrhaus der Kirche St. Peter. Bereits 1912 hatten Franz und Margaretha Eleonore Kerber das Denkmal erneuern lassen, aber in
der Pogromnacht wurden die Stelen am Treppenabgang weggerissen, das krönende Eisenkreuz und die Gedenktafel zerstört.

Die Kreuzbergkapelle
Diese Eheleute sind Nachfahren des Kapellenstifters und zugleich die Eltern von Alois Kerber, der zusammen mit seiner Ehefrau Helene, geborene Conrad, die älteste Gaststätte
des Landkreises Merzig-Wadern betreibt. Sie ist an der Ecke Hochwald- und Propsteistraße zu finden und heißt Zur letzten Kugel, im Volksmund allerdings Zur ewisch Ruuh,
vermutlich weil die nahe Pfarrkirche St. Peter und der Kirchhof die Trauergäste nach Beerdigungen zur Ims in dieses Gasthaus führte.
 
 
Verwirrend sind die Berichte über die Kreuzbergkapelle und das Steinkreuz, das sich an sie anlehnt. Die Heimatkundler schreiben wild drauf los, wenn sie Geschichtliches darüber ausgraben. Die Wunderheilung des krummen Nekla hatte am 19. März 1843 die Josefs-wallfahrt mit gigantischen Ausmaßen begründet. Aus ganz Lothringen eilten die Pilger herbei. Noch stand allerdings nur das Kreuz auf dem Kreuzberg, das heute an der Rückwand
der Kapelle steht. Nach einer Mission am Kreuz segnete der Redemptorist Pater Wieland im Dezember 1857 einen drei Jahre zuvor angelegten Kreuzweg von der Josefskapelle hinauf auf den Berg ein.

Die Servituttreppe erlaubte dem Priester und seinen Messdienern in der Autolosen Zeit am Tag der Josefswallfahrt eine Abkürzung zur Kreuzbergkapelle zu gehen.
Die Servituttreppe hatte 365 Stufen.
 
 
Laubenthal fand heraus, dass Johann Bocks Ehefrau Elisabeth geborene Hartfuß am 29. Dezember 1857 gestorben war: Der Tod seiner Ehefrau mag den 75-jährigen Witwer veranlasst haben, zu ihrem und dem eigenen Seelenheil eine besondere Stiftung zu machen und besprach das mit seiner Tochter Anna und seinem Schwiegersohn Michel Orth, der aus Saarburg stammte. Im Dezember 1858, zum Jahrestag des Todes seiner Frau Elisabeth, wurde die Kreuzbergkapelle eingeweiht. Johann Bock überlebte seine Frau nur um fünf Jahre und er starb keines natürlichen Todes, berichtet Laubenthal. Am 24. März 1863 stürzte er in seinem Weinberg unterhalb der Kreuzbergkapelle mit seinem Pferdegespann den Hang hinab. Seine Erben setzten ihm an dieser Stelle, an der er gestorben war, das stattliche Denkmal. Noch heute ist die Josefs-Wallfahrt die größte der Region (19. März).
 
 
Von Waltraud Riehm